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05.10.2015, 11:00 Uhr
Eine Oberschule in Bramsche?
An Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen ist der Antrag der SPD-Stadtratsfraktion, die Verwaltung möge die Schulstruktur in Bramsche „ergebnisoffen“ überprüfen. Das Ergebnis dieser Überprüfung steht nämlich schon fest: In Bramsche soll neben dem Gymnasium und der IGS eine Oberschule (ohne gymnasiales Angebot) errichtet werden.
Dies war der „unumstößliche“ Verwaltungsvorschlag bereits vor einem Jahr. Der Stadtrat lehnte ihn jedoch aus guten Gründen mit Mehrheit ab. Vielmehr wurde beschlossen, die Hauptschule und die Realschule weiterzuführen. Dass dieser Be-schluss von einem leitenden städtischen Mitarbeiter offensichtlich als Majestätsbeleidigung wahrgenommen wurde, ist bedauerlich. In der Folge wurde von dem Schulträger absolut nichts unternommen, um insbesondere die Realschule Bramsche zu unterstützen. So wurden z. B. Presseberichte, nach denen die Realschule auslaufe, in keiner Weise richtiggestellt. Ein Konzept, wie sich die Realschule an einem neuen Standort entwickeln kann, hat die Stadt trotz mehrfacher Aufforderung nicht erstellt. Das könnte man Arbeitsverweigerung nennen.

In einer beispiellosen Pressekampagne wurde vielmehr für die vom Landkreis mit maßgeblicher Unterstützung der Bramscher Stadtverwaltung und der Bürgermeisterin bzw. des Bürgermeisters im Gebäude der städtischen Realschule errichtete Nordkreis-IGS geworben. Um die Vierzügigkeit endgültig zu sichern, regelte der Landkreis Fragen des Schülertransports selbstverständlich (?) großzügig. Und die Verwaltung der Stadt Bramsche suggerierte die Möglichkeit, die Hauptschule an ihrem bisherigen Standort und mit ihrer neuen Rektorin als Oberschule quasi fortzuführen. Diese Oberschule sei dann ja auch eine „echte“ Realschule. Tatsächlich eine Falschaussage, denn eine Oberschule ist eine Oberschule!
Um die „Verunsicherung“ der Eltern und Lehrkräfte, die man selbst ganz bewusst herbeigeführt hat, zu beenden, will die SPD nun für klare Verhältnisse sorgen: Abschaffung der Hauptschule und der Realschule in Bramsche. Wie nicht anders zu erwarten, ist davon öffentlich allerdings erst einmal nicht die Rede. Die fehlende Offenheit des SPD-Fraktionsvorsitzenden ist an dieser Stelle nicht zu überbieten! Die Bramscher SPD will sich offensichtlich hinter einer Vorlage ihres „Chefstrategen“ im Verwaltungsvorstand verstecken.

Warum macht eine Oberschule in Bramsche keinen Sinn? Eine Oberschule ist - zumal wenn sie (wie in Bramsche längst verlautbart) jahrgangsbezogen geführt wird - ein weitgehend integratives Systems. Die Organisationsform ähnelt damit sehr einer Gesamtschule. Ohne gymnasiales Angebot ist eine Oberschule allerdings eine „IGS minus“ und insbesondere für gute Realschüler nicht attraktiv. Es gibt tatsächlich keinen wichtigen Grund, warum Eltern ihr Kind in Bramsche an einer Oberschule statt an der IGS anmelden sollten. (Die Errichtung einer Oberschule statt einer IGS hätte vielleicht Sinn gemacht, ist aber in Bramsche aus guten Gründen von keiner Partei in Erwägung gezogen worden. Wer ein integratives System in Bramsche wünscht, ist an der IGS zweifellos richtig!)

Alternativen zur IGS Bramsche sind die Schulen des gegliederten Schulsytems (Gymnasium, Realschule, Hauptschule und Förderschule). Für Real-, Haupt- und Förderschüler ist allerdings das Gymnasium in der Regel keine Alternative zur IGS, selbst wenn der „freie Elternwille“ die Wahl dieser Schulform ermöglicht. Und eine Aussage, die Gründung der IGS in Bramsche und die Beschädigung der Realschule, der Hauptschule und der Förderschule gefährde langfristig auch das Gym-nasium, bezog sich niemals auf aktuelle Anmeldezahlen, sondern auf langfristige strukturelle Weichenstellungen. Die offensichtliche Meinung des SPD-Fraktionsvorsitzenden, das Gymnasium in Bramsche bleibe von der Tatsache gänzlich unberührt, dass sich dort zum Schuljahr 2015/2016 fast ein Drittel der Schüler mit Realschulempfehlung angemeldet haben, überrascht allerdings nicht, wenn Quantität wichtiger ist als Qualität. Nur wer so denkt, stellt auch die Arbeit der Realschule und der Hauptschule in Bramsche aufgrund der aktuellen Anmeldezahlen in Frage. Die Stadt Bramsche und der Landkreis Osnabrück haben alles getan, um diese Zahlen zu erreichen. Als Schulträger hat die Stadt Bramsche insbesondere die Realschule absolut „im Regen“ stehen lassen.

Die Bramscher SPD hat die Gründung der Nordkreis-IGS bejubelt und als großen parteipolitischen Erfolg gefeiert. Dass sich diese Schule auf einen guten Weg macht, wird auch von Kritikern bis zum Beweis des Gegenteils überhaupt nicht in Frage gestellt. Großes Erstaunen ruft allerdings hervor, dass ausgerechnet (gelegentlich euphorisierte) Befürworter der IGS Bramsche eine konkurrierende integrative Schulform errichten wollen, die ein CDU-Kultusminister einmal ersonnen hatte, um Gesamtschulen „das Wasser abzugraben“. Geht es tatsächlich nur darum, die bei wichtigen Bramscher Entscheidern missliebige Realschule abzuschaffen und das Gebäude der Hauptschule, in das vor einigen Jahren (wenig vorausschauend) viel investiert worden war, weiterhin zu nutzen? Oder sollen gar potentielle Hauptschüler von der IGS ferngehalten werden? Das wäre denn doch ein Stück aus dem Tollhaus.
Wer für eine starke IGS in Bramsche ist, kann nicht gleichzeitig für eine Oberschule sein, auch wenn sich diese Lösung „verwaltungstechnisch“ so schön anbietet. Aber auch wer den „freien Elternwillen“, nämlich das Recht aller Erziehungsberechtigten, selbst über die „richtige“ Schulform für ihre Kinder zu entscheiden, hochhält, muss einem solchen Verwaltungsvorschlag heftig widersprechen.

Je besser die IGS in Bramsche arbeitet, desto überflüssiger ist eine Oberschule. Eine gute Realschule allerdings wäre eine attraktive Alternative für viele Schülerinnen und Schüler und alle Eltern, die nicht davon überzeugt sind, dass Kinder in einer „Schule für alle“ am besten lernen.

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